Bibel leben heißt, sich als befreite Menschen, die von Gott gehalten werden, zu entfalten, Abhängigkeiten aufzugeben und das Leben in Hoffnung zu gestalten.
Christen der täuferischen Tradition sind davon überzeugt, dass allein Gottes Gnade durch den Glauben vor Gott gerecht macht. Diesen Glauben wollen sie mündig und frei gestalten. Das entspricht dem Geist, in dem Paulus an die Galater schrieb.
Die Täufer des 16. Jahrhunderts haben mutig Rechenschaft abgelegt über die Hoffnung, die in ihnen lebendig war. Sie haben Verfolgung und Tod in Kauf genommen. Kraft hat ihnen dabei die Lektüre der Bibel gegeben. Mit Leidenschaft haben sie um die Bedeutung der Worte gerungen, sie ausgelegt, darüber diskutiert und ihre Überzeugung mit anderen geteilt. Die gemeinsame Bibellektüre als zentrale religiöse Praxis der Täufer war Voraussetzung für die Erfahrung des Gehalten-Seins, aber auch für Aufbruch und Veränderung.
Oft denken wir, Freiheit bedeute, alles tun zu können, was wir wollen. Freiheit ist jedoch verantwortungsvolle Freiheit, die den Nächsten im Blick hat und ihm selbstlos dient. Diese Freiheit erfordert ständiges Nachdenken und Urteilen darüber, was der Gemeinschaft dient. Wo und wie können wir heute unsere Welt zum Besseren gestalten?
In einer Kultur, in der Glaube Privatsache ist, sind wir heute aufgefordert, von der Hoffnung zu reden, die uns beflügelt. Sind wir sprachfähig, können wir in die Depression und Hoffnungslosigkeit unserer Gesellschaft hineinsprechen? Sind wir bereit, Rede und Antwort zu stehen?