Themenjahr

21

 
 

gewagt! 

gemeinsam leben

 

Gleichheit – Verantwortung – Autonomie
Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. (Apg 2, 44).
Ihr aber seid der Leib Christi, und jeder einzelne ist ein Glied an ihm (1 Kor 12,27).

 

Aus der Praxis der Glaubenstaufe entstand in der Täuferbewegung ein neues Bild der Kirche: Kirche ist die Gemeinschaft derjenigen, die sich freiwillig auf der Grundlage ihrer Glaubenstaufe zusammengeschlossen haben. In der Rückbesinnung auf die ursprüngliche Gestalt der Gemeinde in der Apostelgeschichte pflegten die Frauen und Männer der Täuferbewegung verbindliche Beziehungen und unterstützten einander. Einzelne Gruppen wie die Hutterer wagten sogar das gemeinsame Leben in Gütergemeinschaft.

Als „Kirche von unten“ verstanden sie sich als autonome Ortsgemeinden, die eigenverantwortlich ihre Angelegenheiten regelten. Dies bewahrte die täuferischen Gemeinden im Verlauf ihrer Geschichte jedoch nicht davor, auch innerhalb ihrer eigenen Gemeinschaften Hierarchien zu schaffen, die die Gleichheit aller in Frage stellten. Zudem konnte sich manchmal ein exklusives Gemeindeverständnis entwickeln, das die Abgrenzung von anderen kirchlichen Gemeinschaften mit sich brachte. Auch der rigide Ausschluss von Andersglaubenden aus der eigenen Gemeinde sorgte für schmerzliche Trennungen und Ausgrenzungen.

Herausforderungen für heute

Im Themenjahr „gewagt! gemeinsam leben“ wird es darum gehen, ob und wie weit die Kirchen-Modelle der Täufer Antworten geben können für die Herausforderungen einer pluralistischen Gesellschaft. Wie können Solidarität und Eigenverantwortung in neuen Formen des Mit- und Füreinanders praktiziert werden? Welche Impulse verbindlicher Gemeinschaften erweisen sich heute als zukunftsfähig? Wie gehen wir heute mit der zunehmenden Vielfalt religiöser Ausdrucksformen, kirchlicher Bekenntnisse und unterschiedlicher Spiritualität um – und was bedeutet das für das Miteinander in der Ökumene?