Themenjahr

20

 
 

gewagt! 

mündig leben

 

Taufe – Freiwilligkeit – Religionsfreiheit
„Einem jeden aber von uns ist die Gnade gegeben nach dem Maß der Gabe Christi. […] Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Menschen, zum vollen Maß der Fülle Christi, damit wir nicht mehr unmündig seien und uns von jedem Wind einer Lehre bewegen und umhertreiben lassen.“ Eph 4, 7.11-14a

 

Im vielfältigen reformatorischen Täufertum und in den täuferischen Kirchen wurde Religions- und Gewissensfreiheit vehement eingefordert. Als verfolgte Minderheiten setzten sich die täuferischen Gemeinden für die Freiheit der Einzelnen, die Begrenzung staatlicher Macht in Fragen der Religion und damit letztlich für die Selbstbestimmung als Grundrecht jedes Menschen ein.

In den täuferischen Kirchen gehörte die Gleichberechtigung aller Mitglieder, die durch freiwilligen Entschluss und durch die Glaubenstaufe in die Gemeinde aufgenommen wurden, zum grundlegenden Selbstverständnis. Kirchenmitgliedschaft regelte sich nicht länger durch die Entscheidung der Eltern für ihre noch unmündigen Kinder oder gar durch die Anordnung der Obrigkeit, sondern wurde zu einer Entscheidungsfrage jedes und jeder Einzelnen. Dazu gehörte auch die Taufe von Menschen, die ihren christlichen Glauben bekennen und sich persönlich für ein Leben nach dem Vorbild Jesu entschieden haben. In diesen Gemeinden entwickelte sich ein Selbstbewusstsein, das ein eigenständiges Urteilsvermögen in Fragen der kirchlichen Lehre und Praxis einschloss.

Herausforderungen für heute

Im Themenjahr „gewagt! mündig leben“ wird danach gefragt, wie der Einsatz für die uneingeschränkte Religionsfreiheit in einer religiös pluralen Gesellschaft aussehen kann. Wo gilt es Widerstand zu leisten gegen die Diskriminierung und gesellschaftliche Ächtung von Menschen aufgrund ihrer Religion und religiösen Praxis? Welche Impulse aus der täuferischen Tradition eröffnen Handlungsperspektiven für ein gerechtes und menschenwürdiges Zusammenleben? Doch wir müssen auch selbstkritisch fragen: Waren die täuferischen Gemeinden nicht oft genug zu sehr auf ihre eigene fromme Glaubenswelt bezogen und dadurch nicht fähig, gestaltend mitzuwirken? Verwandelte sich der reformatorische Impuls zur Mündigkeit und Freiheit des Einzelnen nicht zu oft in autoritäre gemeindliche Strukturen? Was heißt es heute, als eine Gemeinschaft der mündigen Christen und Christinnen zu leben und sich zu bewähren?